Zum Beispiel: Die Brennessel
Name
Urtica dioica Grosse Brennessel Ortie dioïque Ortica comune Familie Urticaceae
Küche
Die jungen Spitzen der Grossen Brennessel werden als Gemüse ( Nesselkohl ) gegessen. Junge Brennesselblätter werden im Frühling wie Spinat zubereitet oder unter Gartenspinat gemischt. Schon den Griechen und Römern war Nesselspinat bekannt.
Zusammen mit zarten Löwenzahnblättern und Gänseblümchenrosetten ergeben sie einen gesunden Salat.
Brennessel-Soufflé mit Speckwürfeli, Eiern, Mehl und Kräutern.
Und dann kann man feine Suppen aus den jungen Brennesselblättern kochen.
Ein Rezept für einen Brennesselkuchen gibt es auch.
Bei den Himalajavölkern spielte die Brennessel in der Ernährung eine grosse Rolle.
Ökologisches
Über 100 Insektenarten sind von der Brennessel abhängig. Für die Raupe des Kleinen Fuchs (Nesselfalter), für die des Tagpfauenauges, des Landkärtchens, einiger Kleinschmetterlinge und Nachtfalter ist es die einzige Futterpflanze.
Sonst noch
Zusammen mit der sibirischen Hanfnessel (U. cannabina) wurden früher ihre Fasern zum feinen, aber teuren Nesseltuch verarbeitet. Anfangs Jahrhundert haben einige Völkerschaften Sibiriens und Russlands die Nesselfaser zur Herstellung von Garn und Zeug benutzt. Den Österreichern hat das imponiert und sie haben zur selben Zeit versucht, die Brennessel als Faserpflanze zu kultivieren. Albertus Magnus hat schon im 13. Jahrhundert die Nessel als Gespinstpflanze erwähnt.
Die heilige Hildegard von Bingen sagte (unter anderem): «Und ein Mensch, der gegen seinen Willen vergesslich ist, der zerstosse die Brennende Nessel zu Saft und füge etwas Olivenöl hinzu, und wenn er schlafen geht, salbe er damit seine Brust und die Schläfen, und dies tue er oft, und die Vergesslichkeit in ihm wird vermindert werden.»
Bei Kollege Lonicerus kann man lesen: «Nesselblätter mit Wein gesotten / darüber getruncken / erweicht den Bauch / vertreibt das Grimmen / zertheilet die Winde / treibt den Harn / reiniget die Lenden / und reitzet zum Beyschlaff an.»
Kelten, Slawen und Germanen hielten die Brennessel in grossen Ehren. Naturverbundene Völker (zB Zigeuner, Hochlandschotten) haben der Pflanze übersinnliche Eigenschaften zugesprochen.
Heilwirkung
Die Blätter ( Herba Urticae ) werden als Infus oder Dekokt verwendet. Sie sind Bestandteil zahlreicher diuretischer Arzneitränke. Ein Fluidextrakt der frischen Blätter wird in der Homöopathie bei Ekzemen, Dysmenorrhöe, Metrorrhagien, Nasenbluten, Hämoptysie verwendet. Man bereitet Flüssigkeiten, die den Haarwuchs verbessern sollen, auch ein schuppenloses Dasein versprechen.
Stoffwechselanregend, baut Giftstoffe im Körper ab, stärkt die Widerstandskräfte.
Nesseltee gilt als blutreinigendes Mittel. Die Samen dienen als lösendes Mittel. Bewährt bei Rheuma und Gicht, bei Leber- und Gallenleiden.
Ferner peitschte man gelähmte Glieder mit Nesselzweigen, um dadurch Nesselfriesel als kräftiges Reizmittel hervorzurufen ( ? ).
Die medizinischen Eigenschaften der Brennessel sind seit der Antike bekannt.
Botanisches
Mehrjährige Blume (Staude). Bis über einen Meter hoch wachsend. Dunkelgrün. Stengel und Blätter mit Brennhaaren (aha, darum). Blätter länglich-herzförmig, meist über 5 cm lang, grob gezähnt. Zweihäusig. Blütenstände hängend, grün-gelblich, länger als die Blattstiele. Frucht: linsenartiges Nüsschen. Blütezeit Juni-September.
Kollin-subalpin(-alpin). Ursprüngliche Verbreitung nicht bekannt, heute fast weltweit.
Unkraut-/Ruderalpflanze, gehört zur in Mitteleuropa weitaus häufigsten Saumgesellschaft (Brennessel-Giersch-Saum = Urtica-Aegopodietum).
Zeiger mittlerer Feuchtigkeitsverhältnisse, vorwiegend auf leicht sauren, nitratreichen Böden mit wechselnder Feuchtigkeit. Überdüngungszeiger, Halbschattenpflanze.
Standort: Schuttplätze, Hecken, Gebüsche, Gräben, Viehläger.
Inhaltsstoffe
Die Blätter enthalten einen histaminartigen Stoff, Ameisensäure, Silizium, Kalium, Gerbstoff, Glucochinine, Chloreophyll und die Vitamine A und C in Spuren.
Garten
Brennesseljauche zur Stärkung der Pflanzen. Zerkleinerte Pflanzen als Beigabe zum Kompost zur Förderung der Verrottung. Kalter Auszug gegen Blattläuse (aber Vorsicht, das ist ein so starkes Kontaktgift, dass es auch die Larven der Nützlinge tötet – wir empfehlen deshalb Ackerschachtelhalmtee, das ist zwar ein Fungizid, aber er vermiest den Blattläusen die Lust am Saugen ganz gewaltig).